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  • Isabelle Tschugmall

#ITgirloftheweek Melanie Tschugmall

Melanie Tschugmall ist Head of Customer Advisory CP & Retail bei SAP Switzerland und Co-Founderin und Vizepräsidentin der NPO The Small Village Botswana - ihr #rolemodel Interview über ihren in Weg in die und in der IT dementsprechend absolut inspirierend und lesenswert.

Ich bin ein #ITGirl weil...


Was macht Dich persönlich zum Rolemodel?

Gute Frage, wahrscheinlich könnten dies Andere besser beantworten, da ich mich selbst ja nie als Rolemodel hatte. Im Ernst, für mich persönlich geht es vor allem um vorbildliches Verhalten rund um die für mich definierten Werte wie die Passion, Überdurchschnittliches zu leisten, den Durchhaltewillen um die Extrameile zu gehen, sowie auch das Empowern und Begeistern anderer Personen. Zudem gehören für mich als moderne Führungskraft Werte wie Vertrauen, Transparenz, Empathie und das Vorleben kognitiver Diversität zur Grundausrüstung. Ich versuche tagtäglich meine eigenen Richtwerte zu erfüllen und habe unter anderem auch deshalb gemeinsam mit meiner Schwester die NPO «The Small Village Botswana» gegründet. Unsere Organisation fördert Gesundheit, Start-up-Finanzierung und Bildung für Frauen in Botswana.


Wie bist Du zur IT gekommen?

Auf Umwegen - aber ich bin gekommen um zu bleiben - das heisst ich fühle mich in der Branche wohl, kam aber nicht auf direktem Weg in die Tech-Branche. Ich habe bei einer Bank eine Lehre gemacht und Berufsmatura angefügt, danach ging ich länger Reisen und eine Sprache lernen - etwas was ich jedem empfehle. Als ich zurückkam habe ich in die Consulting Branche gewechselt und dort im Marketing und Sales angefangen.


Weiter ging es dann im Tourismus, wo ich dann meine erste grössere Weiterbildung im Tourismus Management machte. Von dort ging es dann in die Tech-Brance zu meiner ehemaligen Arbeitgeberin. Parallel habe ich dort meinen Master in strategischem Marketing gemacht. Und so bin ich auch in dieser spannenden Branche angekommen und arbeite seit August bei SAP als Head of Customer Advisory CP&R. Parallel hierzu mach ich meinen zweiten Master, einen EMBA. Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich gerade am Anfang viel ausprobiert habe und eher opportunistisch meinen nächsten Job ausgewählt habe. Ich hab dabei, rückblickend, bei jedem Wechsel eine neue Branche und ein neues Jobprofil ausprobiert - also immer Aufgaben, die komplett neu waren für mich.


Jedesmal wieder einen Schritt aus der Komfortzone. Heutzutage plane ich meine Karriere langfristig und strategisch, im Wissen, dass sich dazwischen immer wieder viele Möglichkeiten ergeben. Der rote Faden dabei ist und war die Kundenzentrierung, strategische Geschäftserweiterung und das Zusammenbringen diversen Themen. Würde ich etwas anders machen? Nein, ich denke nicht gross - hätte ich nicht so viel ausprobiert und gesehen, wüsste ich wahrscheinlich nicht so klar, was ich möchte.

Aber das muss jede für sich selbst wissen.


Gab es Hindernisse auf deinem Weg? Wenn ja, wie hast du sie überwinden können?

Ich glaube, es gibt für fast niemanden eine Karriere ohne Hindernisse. Wenn es so einfach wäre, bräuchte es nicht so viel Einsatz und Ehrgeiz. Tatsächlich glaube ich aber, dass es Frauen immer noch schwieriger haben, da es oft noch darum geht, den Status quo zu durchbrechen. Gerade in Branchen wie IT sind Frauen in Führungspositionen selten. Dennoch sehe ich hier viel positive Bewegung und meine aktuelle Arbeitgeberin SAP agiert sehr inklusiv.


Wer hat Dich bestärkt, wer hat Dich geprägt?

Es waren viele und immer wieder andere Personen in unterschiedlichen Lebensabschnitten, die mich bestärkt und geprägt haben. Wenn ich zurückblicke, sind es eigentlich immer diese Personen gewesen, die mich nicht nur gefördert sondern auch gefordert haben, mich sozusagen auch "herausforderten" aus der Komfortzone auszubrechen. Wichtig fand ich jedoch schon immer, mir frühzeitig Mentorinnen oder Mentoren zu suchen, die mich fördern und fordern, denn nur so kommt man weiter. Innerhalb der Unternehmen ist ein gutes Peer-Network unabdingbar. Ich persönlich bin in diversen externen Netzwerken. Das ist für jüngere und ambitionierte Menschen, gerade auch für Frauen, wichtig.


Was denken Freund:innen und Familie heute über Deinen Job?

Was man heutzutage braucht, ist wohl nicht viel anders als früher - ein Umfeld, das einen stützt. In meinem Umfeld habe ich - auch aufgrund meiner fortlaufenden Karriere - viele starke und tolle Frauen, die sich gegenseitig unterstützen. Mein Partner ist ebenfalls sehr emanzipiert und unterstützt meine Ambitionen. Leider ist dies heutzutage noch immer nicht "normal", da wir in der Schweiz ein eher konservatives (Frauen-) Rollenbild pflegen.


Was macht die IT-Branche für Dich besonders?

Das Spanndendste für mich ist, dass man in einem technischen, innovativen Umfeld immer zukunftsorient agiert und somit immer einen Schritt weiter denken muss als das Jetzt. Oft muss man strategisch planen und rasch agieren. Ich mag diese Komplexität und diese Dynamik.


Was macht deinen Beruf für Dich besonders?

Ich arbeite in einem Tech-Umfeld mit Wirtschaftshintergrund und versuche, die zwei Welten zusammenzubringen. Vielleicht gerade weil ich teilweise eine andere Sichtweise habe, macht mir mein Beruf so viel Freude. In meiner aktuellen Rolle leite ich ein Team von Expertinnen und Experten. Themen wie Leadership, Strategie und konzeptionelle Arbeit sowie die spannenden Kundeninteraktionen bereichern meinen Tag. Dass ich diese Themen gleichzeitig in einem Tech - Umfeld umsetzen darf, macht meinen Beruf für mich perfekt. Für mich steht absolut fest, dass ich in der Tech-Branche bleiben werde.


Hast Du als Frau in der IT-Branche...Vorteile?

Da fällt mir das Stichwort kognitive Diversität* ein. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Gesellschaft neue und andere Ansichten braucht, um bestehende Probleme zu lösen. Frauen bringen neue Zutaten für Erfolgsrezepte der Zukunft mit. Viele Firmen haben diesen «Competitive Advantage» erkannt und besetzen ihre Stellen entsprechend.


* Unter kognitiver Diversität versteht man die strategische und bewusste Einbeziehung von Menschen, die unterschiedliche Problemlösungsstile haben (z.B. durch einen anderen kulturellen Hintergrund, andere Ausbildung etc.) und einzigartige Perspektiven einbringen.


Hast Du als Frau in der IT-Branche...Nachteile?

Wenn ich mich auf einen beschränken soll, dann ist es das fehlende "weibliche" Netzwerk innerhalb der Unternehmung. Diese Absenz erschwert oft den Karriereaufstieg, ist aber relevant. Es fehlt also die kritische Masse. Um konkreter zu werden z.B. die immer noch in der IT Branche fehlende Akzeptanz kompetenter Mitarbeiterinnen für (technische) Führungspositionen. Diesem Problem könnte man durch Massnahmen wie etwa Leadership Training und Förderprogramme entgegenwirken. SAP agiert hier als Arbeitgeberin sehr vorbildlich.


Welche aktuellen Challenges siehst Du (noch) in unserer Branche?

Das Thema «Digital Ethics» sollte ernster genommen werden und es braucht ein grösseres Investment in Technologien, die die grössten Probleme als Gesellschaft angehen, wie etwa den Klimawandel oder den Rassismus.


Was kann jede/r von uns für noch mehr Gleichberechtigung tun?

Da lob ich mir das Sprichwort: "Together we are stronger & be a rebel talent!" Übrigens, ein tolles Buch dazu ist "Why it Pays to Break the Rules at Work and in Life" von Francesa Gino. Heisst für mich, dass gerade kognitive Diversität bei jedem Einzelnen, und zwar auf intellektueller Ebene, anfängt. Sprich, stetig Neues lernen, auch einmal andere Fakten, Ideen und Quellen zu bestehenden Ansichten einbeziehen und dabei seinen eigenen Standpunkte stets hinterfragen. Diversität ist kein einmaliges Ziel, sondern eine stetige Weiterentwicklung. Und Diversität ist auch keine Aufgabe von Einzelkämpfer:innen oder beispielsweise nur Frauen, sondern eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft.


Welche Skills sind deiner Meinung nach (unabhängig vom Jobtitel) für die Zukunft wichtig?

Offenheit, Mut, Empathie - und eine Prise Humor.


Welche Tipps gibst Du Anfänger:innen & Quereinsteiger:innen?

Oft hört ihr am Anfang, "das geht nicht". Dann ist die "Lasst es uns ausprobieren!"-Haltung ein Asset. Sprich, versucht es trotzdem. Und klappt es nicht, lernt man dadurch oft mehr. Apropos Lernen: wir sollten immer und jeden Tag lernen - von anderen, über sich selbst, durch Bücher, oder von Podcasts. Lernen bringt uns näher an unser Ziel!



Mehr über unser #ITgirl:

https://www.linkedin.com/in/melanietschugmall/

Mehr über uns: www.thenewitgirls.com





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